Eucharistische Gastfreundschaft
Neben der Taufe ist das Abendmahl ein Kernelement christlichen Lebens und Glaubens.
Hier geht es sozusagen an das Eingemachte der Kirche.
Kein Wunder, dass es deswegen auch immer Diskussionen und Konflikte rund um das Abendmahl gab.
Reformierte und Lutheraner kamen vor allem in der Abendmahlsfrage über Jahrhunderte nicht zusammen. Erst seit gut 50 Jahren ist man sich mit der Leuenberger Konkordie in der evangelischen Welt einig, dass wir beim Abendmahl gut zusammenkommen können.
Katholische Christinnen und Christen nennen das Abendmahl die Eucharistie, was soviel wie Danksagung oder Lob bedeutet: Beim Abendmahl wird Gott für seine Gegenwart in Jesus Christus gedankt und gelobt – es wird gefeiert!
In jeder katholischen Messe ist die Eucharistie das Zentrum des Gottesdienstes – so wie in der evangelischen Welt sich alles eher um die Predigt konzentriert.
Es gibt einige Gründe, warum es für die katholische Kirche bisher nicht möglich war, die Eucharistie auch gemeinsam mit den evangelischen Christen zu feiern.
Das lag meist weniger am guten Willen, sondern im anderen Verständnis des Abendmahls. Für das katholische Verständnis ist es zum Beispiel unverzichtbar, dass ein geweihter Priester die Eucharistie leitet, der in der sogenannten apostolischen Folge (Sukzession) steht.
Das heißt, dass die Kirche sich in der Tradition sieht, die bis in die Zeit von Jesus zurückreicht – der Abendmahlsbecher wurde sozusagen von Petrus bis heute ununterbrochen immer weitergegeben. Im katholischen Verständnis haben die Kirchen der Reformation diese Tradition verlassen.
Auch auf katholischer Seite war der Schmerz immer groß, dass wir beim Kern der Sache von Jesus nicht an einen Tisch kommen können.
In den letzten Jahrzehnten gab es daher immer wieder ökumenische Gespräche, wie wir in dieser Frage zueinander finden können.
Und einen historischen Durchbruch gab und gibt es ausgerechnet hier bei uns in Osnabrück!
Mit der eucharistischen Gastfreundschaft wurde ein Verständnis und ein Konzept entwickelt, wie in einer katholischen Messe das Abendmahl gefeiert werden kann, zu dem auch evangelische Christen eingeladen sind.
Ein Kern dieses Konzepts ist die Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes: Wenn wir beim Abendmahl Gott begegnen, dann geschieht das durch seinen Heiligen Geist. Und dieser weht, wie er will – wir können den Geist Gottes weder fassen noch verstehen, sondern uns nur von ihm erfüllen lassen. Und für diesen Geist sollten wir keine Grenzen zwischen den Menschen ziehen!
Die eucharistische Gastfreundschaft kann im katholischen Verständnis zu besonderen Anlässen ökumenisch gefeiert werden – und bei diesen besonderen Anlässen sind wir auch als evangelisch-reformierte Gemeinde herzlich gern gemeinsam zu Gast!
Zur Handreichung der eucharistischen Gastfreundschaft geht es hier.

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