Monatsandacht für Januar

Monatsspruch für Januar 2016

„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Timotheusbrief 1,7)

Epiphanias, liebe Gemeinde,

kaum ein Fest ist bei uns so vergessen wie Epiphanias (6.­ Januar). Der Name kommt vom Griechischen Ἐπιφάνεια (Epiphaneia), also Erscheinung (nämlich der Göttlichkeit Christi). In Süddeutschland lebt das Fest noch, da dort am katholischen Feiertag „Heilige Drei Könige“ arbeitsfrei ist. Aber bei uns … Früher einmal gehörte Epiphanias zum festen Gottesdienstprogramm der Bergkirche. Doch das ist lange her.

Dabei ist Epiphanias das zweitälteste christliche Fest, nach Ostern. Es ist der Vorläufer des Weihnachtsfestes. Denn die Christen feierten die Tatsache, dass Gott in Christus in die Welt gekommen ist, schon lange bevor die groß gewordene Kirche auf den Termin der Wintersonnenwende einschwenkte und an ihm die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium in den Mittelpunkt stellte.

So war der Inhalt von Epiphanias bis ins 4. Jahrhundert hinein die Geburt und Taufe Jesu (…da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen. Markus 1,11). Auch das Weinwunder zu Kana gehört zu den Texten des Epiphaniasfestes: Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. (Johannes 2,11).

Die Orthodoxen feiern an Epiphanias die Taufe Jesu, verbunden mit vielen Wasser-Ritualen. An natürlichen Gewässern findet die große Wasserweihe statt. In Russland und Finnland muss man dazu das Eis der Seen und Flüsse aufhacken. Vielerorts springen dann begeisterte Menschen in die eisigen Fluten. Eine Sitte, die sich, abgekoppelt vom ursprünglichen Sinn, auch in der Sowjetunion erhalten hat (Eisschwimmen im Gorki-Park). Griechen und Rumänen segnen mit dem neugeweihten Wasser die Küchen in allen Häusern der Gemeinde.

Obwohl bei uns Epiphanias weder im Gottesdienst noch in der Folklore viel zählt, ist es auch für uns gut und richtig, sich daran zu erinnern, dass es in Christus ein Geheimnis gibt, das wir schwer fassen können. Im Nizänischen Glaubensbekenntnis heißt es: Wir glauben … an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles erschaffen … Und diese Worte sind wie eine Auslegung des Anfangs des Johannesevangeliums (Johannes 1, 1–16).

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Epiphaniaszeit!

Ihr Pastor Steffen Tuschling